Jenny Lagaude:
Die Konversion des Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Motive und Reaktionen

Zum Inhalt

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750–1819), Dichter und Staatsmann, konvertierte im Jahr 1800 zur römisch-katholischen Kirche und löste eine Welle der Empörung im deutschen Geistesleben aus. Größen ihrer Zeit, wie Goethe, Herder und Jacobi, reagierten in Briefen und Schriften auf dieses Ereignis. Die vorliegende Arbeit beleuchtet quellennah die Motivationen Stolbergs und seiner Zeitgenossen und zeigt Entwicklungstendenzen zu einem neuen konfessionellen Bewusstsein in einer Epoche auf, die Vernunft und Toleranz ihr Eigen nannte.

Inhalt

Vorwort des Herausgebers

I. Einleitung

II. Der Weg zur Konversion – Ansätze zu einer religiösen Biographie
1. Verankerung im Protestantismus (1750-1790)
2. Umorientierung in der Auseinandersetzung mit den Zeitströmungen
3. Hinwendung zum Katholizismus (1791-1800)
Exkurs: Stolbergs Kritik der Adlerschen Agende

III. Die Reaktionen der Zeitgenossen
1. Verständnis für die Konversion
1.1. Der Emkendorfer Kreis
1.2. Johann Gottfried Herder (1744-1803)
1.3. Johann Caspar Lavater (1741-1801)
2. Ablehnung der Konversion
2.1. Johann Heinrich Voß (1751-1826)
Exkurs: Lavaters Brief - Ein Beispiel Voßischer Argumentation

IV. Schlussbetrachtung

V. Anhang

VI. Literaturverzeichnis

VII. Personenverzeichnis

Textauszug | Einleitung

Als am 1. Juni 1800 der Dichter und Staatsmann Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750–1819) in Münster zum Katholizismus übertritt, ist das protestantische Deutschland empört. In Streitschriften und Briefen diskutiert und wertet man das Ereignis, und konfessionelle Ressentiments treten im deutschen Geistesleben wieder deutlich zu Tage. Die Konversion des von adligem Standesbewusstsein geprägten, tief religiösen Christen, der als Politiker, Übersetzer und Lyriker zu den Größen seiner Zeit gehörte, wurde als ein Fanal gegen die Errungenschaften der Aufklärung empfunden und gedeutet. 

Rezension

Stolbergs Konversion zum katholischen Bekenntnis im Jahr 1800 ist zweifellos der entscheidende Wendepunkt in seiner Biographie. Wie es zu ihr kommen konnte und welchen Aufruhr sie in den Köpfen der Zeitgenossen verursachte, ist in der Forschung allerdings eher spärlich behandelt und keineswegs restlos geklärt. So ist es verdienstvoll, wenn Lagaude es unternimmt, diese Motive und Reaktionen auf der Grundlage einer Sichtung des vorliegenden Materials darzustellen. Entsprechend teilt sich die Arbeit in zwei Teile: In eine biographische Skizze einerseits, die sich vor allem auf die religiöse Prägung Stolbergs im Elternhaus, seine religiöse und weltanschauliche Umorientierung seit den 178Oer Jahren und schließlich auf die schrittweise Hinwendung zum Katholizismus in den 1790er Jahren konzentriert (S. 11-54). und in eine Darstellung der Reaktionen der Zeitgenossen auf die Konversion (S. 55-80) andererseits. Die Arbeit besticht vor allem im ersten Teil durch eine zwar knappe, aber in aller Regel präzise und zutreffende Darstellung des gegenwärtigen Forschungsstandes. [...]

Frank Baudach / Vossische Nachrichten 9 (2008), S. 90ff.

Jenny Lagaude
Die Konversion des Friedrich Graf zu Stolberg.
Motive und Reaktionen

EKF Wissenschaft
LThB 1
108 S. | 21,0 x 13,5 cm
140 g | Paperback
ISBN-10: 3-933816-30-0
ISBN-13: 978-933816-30-6
1. Auflage 2006<br />28,00 EUR