Torsten Morche:
Weltall ohne Gott, Erde ohne Kirche, Mensch ohne Glauben

Zur Darstellung von Religion, Kirche und ›wissenschaftlicher Weltanschauung‹ in ›Weltall, Erde, Mensch‹ zwischen 1954 und 1974 in Relation zum Staat-Kirche-Verhältnis und der Entwicklung der Jugendweihe in der DDR

Zum Titel

Jugendweihe vs. Konfirmation. An kaum einer anderen Stelle ging die DDR derartig in Frontstellung gegen die Kirchen und rang ihrer Bevölkerung ein Bekenntnis nicht nur zum sozialistischen Staat, sondern auch zu seiner materialistischen und atheistischen Weltanschauung ab. ›Weltall, Erde, Mensch‹ war über Jahrzehnte das offizielle Begleit- und Geschenkbuch der Jugendweihe. In seinen ständig veränderten Auflagen spiegelt sich exemplarisch das Verhältnis von Staat und Kirche wider. Torsten Morche hat in einer umfassenden Analyse der über zwanzig Auflagen von ›Weltall, Erde, Mensch‹ die offiziellen Perspektiven auf Kirche und Religion herausgearbeitet und in einem detaillierten Dokumentenanhang erschlossen.

Inhalt

I. Einleitung

II. Zu Methodik und Abgrenzung

III. Die äußere Gestalt

IV. Kommentare zu den Auflagen
1. Erste Auflage 1954 – Dritte Auflage 1955 und die Ausgabe für die Büchergemeinde Wien von 1955
2. Vierte Auflage 1956, Sechste Auflage 1957 bis Neunte Auflage 1960
3. 10. Auflage 1962 – 13. Auflage 1965
4. 14. Auflage 1966 – 22. Auflage 1974
5. Zu Sprache und Begrifflichkeit

V. Vergleich
1. Unwissenschaftlichkeit der Religion
2. Kirche und Wissenschaft
3. Genese der Religion
4. Kirche, Religion und Macht
5. »Wissenschaftliche Weltanschauung« und Wissenschaft
6. »Wissenschaftliche Weltanschauung« als Bewusstseinsinhalt
7. »Wissenschaftliche Weltanschauung« und revolutionäre Praxis
8. Zusammenfassung

VI. »Weltall Erde Mensch«, das Staat-Kirche-Verhältnis und die Entwicklung der Jugendweihe
1. Die Jahre bis 1954/55
2. Die Jahre 1955/56
3. Die Jahre 1957 bis 1961
4. Die Jahre 1962 bis 1966
5. Die Jahre 1966 bis 1974

VII. Zusammenfassung

VIII. Schlussbemerkung

IX. Dokumentation

X. Literaturverzeichnis

Textauszug | Einleitung

Der Anlass zu dieser Arbeit ist zunächst ein eher persönlicher. Ich wurde selbst im Jahre 1979 dem Ritus der Jugendweihe unterzogen. Die Formulierung möchte unterstreichen, dass ich seinerzeit über Inhalt und Bedeutung dieses Aktes nicht nachdachte und auch nicht dazu angehalten wurde, sondern in ihm dem weithin Üblichen entsprach. Üblich nicht nur in der Verbreitung, sondern auch in der Erscheinung. Die Jugendweihe war von mir in derselben Diastase zwischen Anspruch und Wirklichkeit wahrgenommen worden, wie die gesellschaftliche Realität der DDR am Ende der 70er Jahre und bis zu ihrem Ende überhaupt. Selbst das auszusprechen ist erst im Nachhinein möglich, so üblich war diese Wahrnehmung, so jenseits aller Alternativen. Es sind erst die späteren Entwicklungen, in denen ich versuchte, diese Nebel aus Wahrnehmungs- und Denkgewohnheiten zu durchdringen, die erst mit den Jahren wichen und letztendlich erst mit und vor allem nach der Wende in der DDR einer zunehmenden Klarheit Platz machten. Aus dieser neuen Perspektive bekommt meine Biographie neue Aspekte. Einer davon ist meine Jugendweihe und die damit verbundene ideologische Indoktrination während meiner Kindheit und Jugend. Deren Grad und Subtilität setzt mich bei Entdeckung immer wieder in Erstaunen, ihr nachzugehen halte ich aber für eine »Genesung« von ihr für unabdingbar. 

Rezension

Torsten Morches textimmanente Analyse des Buches »Weltall, Erde, Mensch« [belegt], wie die inhaltliche Ausgestaltung des zentralen Jugendweihe-Leitmediums durch Verzicht auf dezidierte Kirchenkritik seit 1966 der kirchenpolitischen Entwicklung zwar folgte, zugleich aber durch die Proklamation des Sieges des Sozialismus ein Geschichtsbild propagierte, das den tatsächlichen gesellschaftlichen Veränderungen der Jugendgeneration nicht entsprach.

Christoph Kösters / Claudio Kullmann / Antonius Liedhegener / Wolfgang Tischner: Was kommt nach dem katholischen Milieu? Forschungsbericht zur Geschichte des Katholizismus in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Archiv für Sozialgeschichte 49 (2009), S. 485-526, hier S. 500f.

Torsten Morche
WELTALL ohne Gott
ERDE ohne Kirche
MENSCH ohne Glaube – Zur Darstellung von Religion, Kirche und ›wissenschaftlicher Weltanschauung‹ in ›Weltall, Erde, Mensch‹ zwischen 1954 und 1974 in Relation zum Staat-Kirche-Verhältnis und der Entwicklung der Jugendweihe in der DDR

EKF Wissenschaft
LThB 4
164 S. | 21,0 x 13,5 cm
200 g | Paperback
ISBN-10: 3-933816-33-5
ISBN-13: 978-933816-33-7
1. Auflage 2006
28,00 EUR