Rüdiger Lux und Peter Zimmerling [Hrsg.]:
Ich muss rumoren. 600 Jahre Universität Leipzig

Predigten und Ansprachen

Zum Titel

Dass Gottesdienste auch im Rahmen von Universitätsjubiläen ihren Ort haben, ist zwar keine Seltenheit, aber angesichts einer durchgehend säkularisierten Wissenschaftslandschaft auch keine Selbstverständlichkeit. In den leidenschaftlich geführten öffentlichen Debatten der vergangenen Jahre um einen Wiederaufbau oder Neubau der Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig ging es um mehr als nur um die Frage, was ein sakraler Raum an einer säkularen Universität zu suchen habe. Es ging und geht um das Verhältnis von Wissenschaft und Religion in der Moderne. Die Leipziger Universitätsgottesdienste wissen sich dem öffentlichen Diskurs über dieses spannungsvolle Miteinander verpflichtet.

Inhalt

Vorwort der Herausgeber

Universitätsgottesdienst zum 1. Advent 2009 anlässlich des Wechsels im Amt des Ersten Universitätspredigers am 29. November 2009 in St. Nikolai:

Jochen Bohl Einführungsansprache des Landesbischofs über Johannes 1,14

Johann Sebastian Bach Kantate „Schwingt freudig euch empor“

Rüdiger Lux Predigt über Sacharja 9,9-10

Robert Holländer Grußwort des Prorektors

Rüdiger Lux Dank und Abschied

Ökumenischer Festgottesdienst zum 600-jährigen Bestehen der Universität Leipzig am 1. Dezember 2009 in St. Thomas:

Peter Amberg Begrüßung durch den Pfarrer der Thomaskirchengemeinde

Rüdiger Lux Begrüßung der Festgemeinde

Franz Häuser Grußwort des Rektors der Universität Leipzig

Joachim Reinelt Grußwort des Bischofs des Bistums Dresden-Meißen

Joachim Bohl Predigt des Landesbischofs über 2. Korinther 13,8

Erster Universitätsgottesdienst zum 2. Advent in der neuen Universitätskirche St. Pauli am 6. Dezember 2009:

Rüdiger Lux Begrüßung der Gemeinde durch den Ersten Universitätsprediger

Johann Sebastian Bach „Nun komm der Heiden Heiland“

Peter Zimmerling Predigt des Zweiten Universitätspredigers über die Kantate „Nun komm der Heiden Heiland“

Semesterschlussgottesdienst zum Festsemester 600 Jahre Universität Leipzig am 4. Februar 2010 in St. Nikolai:

Johannes Block Selige Schwachheit. Der Eintrag des Apostels Paulus in das 

Fest- und Gästebuch der Universität Leipzig. Predigt zum Semesterschluss

Vorwort der Herausgeber

Am 2. Dezember 2009 feierte die Universität Leipzig ihr 600-jähriges Bestehen. Dass Gottesdienste auch im Rahmen von Universitätsjubiläen ihren Ort haben, ist zwar keine Seltenheit, aber angesichts einer durchgehend säkularisierten Wissenschaftslandschaft auch keine Selbstverständlichkeit. Wissenschaft und christlicher Glaube, Universität und Kirche haben sich in ihrer langen Geschichte auf vielfältige Weise gegenseitig befruchtet und heftige Konflikte miteinander ausgefochten. Die Diskussionen um einen Wiederaufbau oder Neubau der Universitätskirche St. Pauli haben in den letzten Jahren die Leipziger Öffentlichkeit immer wieder beschäftigt. In den sehr emotional geführten Debatten wurde überdeutlich, wie stark sich Wissenschaft und Glaube im öffentlichen Bewusstsein auseinander gelebt haben und wie mühsam es ist, in dieser Geschichte des Verstehens und Missverstehens, der Urteile und der Vorurteile eine gemeinsame Sprachebene zu finden. Nur ein christlicher Glaube, der sich einmischt in die Angelegenheiten der »Welt«, wird dem Odium der »Weltfremdheit« entgehen. Damit sind Spannungen und Konflikte unvermeidlich, die einer konstruktiven Bearbeitung bedürfen. Die Leipziger Universitätsgottesdienste wissen sich dieser Aufgabe verpflichtet. Das soll durch den Titel »Ich muss rumoren« zum Ausdruck kommen, den wir für dieses Bändchen gewählt haben. Er stammt aus einer Predigt über Lk 19,41-48, die anlässlich der Umwidmung der Paulinerkirche zur evangelischen Universitätskirche von Martin Luther am 12. August 1545 gehalten wurde. Es ist der Rumor Christi, der unsere eilfertigen Gewissheiten und Gepflogenheiten immer wieder kritisch infrage stellt. 

Dem Predigerkonvent und Beirat des Universitätsgottesdienstes sowie dem Universitätsmusikdirektor und dem Universitätsorganisten war es von Anfang an ein Anliegen, dass die Festwoche vom 29. November bis zum 6. Dezember durch besondere Gottesdienste mit der Aufführung jeweils einer Bachkantate gerahmt werden sollten. Darüber hinaus wurde schon früh ein ökumenischer Festgottesdienst mit den beiden zuständigen Bischöfen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Landesbischof Jochen Bohl, sowie des Bistums Dresden-Meißen, Bischof Joachim Reinelt, am Vorabend des Universitätsgeburtstages am 1. Dezember geplant. Diese Gottesdienste, die in der 600-jährigen Kontinuität der Leipziger Universitätsgottesdienste standen,  waren der öffentliche Beitrag der Leipziger Universitätsgemeinde und der Theologischen Fakultät zu den Universitätsfeierlichkeiten. 

Der Gottesdienst am 1. Advent erhielt seinen besonderen Akzent durch die Verabschiedung des bisherigen Ersten Universitätspredigers und die Einführung seines Nachfolgers im Amt. Höhepunkt und Abschluss der Festwoche wurde für viele der Gottesdienst am 2. Advent. Ursprünglich sollten alle Gottesdienste im noch nicht vollendeten Neubau der Universitätskirche St. Pauli und der Aula am Augustusplatz stattfinden. Leider ließ sich dieser Plan wegen finanzieller Engpässe nicht verwirklichen. Es ist der Initiative des Paulinervereins und seines Vorsitzenden, Dr. Ulrich Stötzner, zu verdanken, dass das Sächsische Immobilien- und Baumanagement und die Staatsregierung des Freistaates Sachsen den Rohbau der künftigen Universitätskirche schließlich doch noch für einen Gottesdienst zur Verfügung stellten. Über tausend Gottesdienstteilnehmer konnten diese bedeutende Stunde im Inneren des Neubaus und durch eine Ton- und Bildübertragung nach außen mitverfolgen. Allen wird der Augenblick unvergesslich bleiben, in dem der langjährige Erste Universitätsprediger, Prof. Dr. Martin Petzoldt, das aus der gesprengten Paulinerkirche gerettete Altarkreuz zum provisorisch errichteten Altar trug und dort enthüllte. Das Kreuz Christi, das 1968 die Führung der SED der DDR, der damalige Stadtrat der Stadt Leipzig und auch der Senat der Karl-Marx-Universität Leipzig für immer von diesem Ort verbannen wollten, wurde nach 41 Jahren als ein Zeichen der Hoffnung wieder aufgerichtet. Von dieser Hoffnung, dass die Universitätsgemeinde in absehbarer Zeit in der neuen Universitätskirche St. Pauli wieder eine Heimat finden wird, war der gesamte Gottesdienst getragen.  

Abgerundet wird dieser Band durch die Predigt von PD Dr. Johannes Block, mit der dieser im Semesterschlussgottesdienst dieses Festsemesters am 4. Februar 2010 den Apostel Paulus als letzten Gast der Feierlichkeiten des Universitätsjubiläums willkommen hieß.

Wir danken der „Stiftung Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“ für die Überlassung der Bildrechte sowie für einen namhaften Druckkostenzuschuss, der diese Publikation erst möglich machte.

Prof. Dr. Rüdiger Lux (Erster Universitätsprediger), Prof. Dr. Peter Zimmerling (Zweiter Universitätsprediger)

Rüdiger Lux, Peter Zimmerling [Hrsg.]:
Ich muss rumoren. 600 Jahre Universität Leipzig – Predigten und Ansprachen

Abt. Regionalgeschichte, Bd. 4
72 S. | 15,0 x 15,0 cm
80 g | Paperback
ISBN: 978-3-933816-44-3
1. Auflage 2010 | 9,90 EUR