Miloš Řezník, Katja Rosenbaum [Hrsg.]:
Touristische Vermarktung der Geschichte

Zum Titel

In der Gegenwart zeichnet sich ein Wandel in der Funktionalität von Geschichte sowohl auf der gesellschaftlichen und kollektiven als auch auf der individuellen Ebene ab. Während akademische Geschichtswissenschaft dem wachsenden politischen Legitimationsdruck in einem ökonomistischen Umfeld ausgesetzt ist, wächst die Präsenz der Geschichte in unterschiedlichsten gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen. Nicht nur bedient sich Politik nach wie vor historischer Legitimationsmuster. Die historische Thematik und Ornamentik erobert zudem erfolgreich Kernbereiche der auf Genuss orientierten, spätmodernen Konsumgesellschaft. Deutlich zeigt das ihre Präsenz in den Medien aller Art, in der virtuellen Realität der Computerspiele, in den subkulturellen Szenen ebenso wie in der Freizeitgestaltung, ganz zu schweigen von der erneuten Popularität von Geschichtsromanen, Geschichtsdokus und Historienfilmen. Die einzigartige Kombination von Fiktionalität und Authentizität weist auf die neue ästhetische Relevanz und Unterhaltungsfunktion der Geschichte hin.

Der Tourismus bietet eines der zentralen Felder, in dem sich diese Prozesse manifestieren und überschneiden. Die Besichtigung ›authentischer Orte‹ und das Angebot von ›historischem Ambiente‹ deuten den Rahmen an, in dem sich Konsum, Geschichte und Ästhetik mit Unterhaltung und wirtschaftlichen Interessen der Strukturentwicklung treffen und vermutlich weitgehende Folgen beispielsweise für Geschichtsverständnis sowie für die Musealisierung und Didaktik haben.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes, die auf eine gleichnamige Tagung im Herbst 2013 in Greiz zurückgehen, testen verschiedene Aspekte dieses Themenspektrums. Die Autoren aus Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien analysieren verschiedene Probleme und Beispiele der touristischen Vermarktung und versuchen zumindest ansatzweise, diese selbst zu historisieren. Im zweiten Teil der Publikation werden konkrete Beispiele von touristischen Vermarktungsstrategien und Musealisierung präsentiert.

Inhalt

Miloš Řezník: Vergangenheit, Tourismus, Markt und Unterhaltung in der Spätmoderne. Einleitende Betrachtungen

I. Studien

Eva Posch: Beobachtungen zur aktuellen touristischen Historiographie aus dem östlichen Europa. Raumvorstellungen und die Diskurse zu Europa und zur Nation

Juliane Tomann: Imagebildung in Katowice: Von der Industrie- zur Gartenstadt? Eine Analyse historischer Narrationen

Harald Lönnecker: Erinnerungsort – Kostenfaktor – Touristenmagnet. Das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach

Frauke Wetzel: Napoleonische Schlachten bei Ústí nad Labem. Vom Denkmal zum Theaterspektakel 2013

Ewa Grzęda: Das kulturelle und historische Erbe von Niederschlesien, Sachsen und Preußen auf der Grundlage des Reisetagebuches von Stanisław Deszert aus den Jahren 1828-29

II. Berichte

Anja Seliger – Jürgen Furchtlehner – Pixie Jacobs – Lilli Lička – Manfred Schwaba: Touristische Potentiale von schützenswerten historischen Freiräumen in Südosteuropa

Anne Kurtze: Trier – Zentrum der Antike. Werben für das römische Erbe in Trier

Susann Hofmann: Das Museum des sächsisch-böhmischen Erzgebirges der Bergstadt Marienberg und sein touristisches Potential

Frank Luft: Erfassung und Beschreibung historischer Zeugnisse der Textilindustrie im vogtländisch- böhmischen Grenzraum und deren touristische Nutzung

Eva Sturm: Auf den Spuren mitteleuropäischer Literatur. Vom Entwurf einer sächsisch-böhmisch-schlesischen Literaturstraße

Dörte Görl-Rottstädt – Hans-Peter Ehrentraut-Daut – Astrid Schuster: Projekt „Tourismuscoach Euregio Egrensis“ – ein grenzübergreifendes Geschichtsverständnis als Grundlage der Entwicklung regionaler Vermarktungskonzepte

Die Autoren des Bandes

Abkürzungsverzeichnis

Miloš Řezník, Katja Rosenbaum [Hrsg.]:
Touristische Vermarktung der Geschichte

Studien zur Europäischen Regionalgeschichte, Bd. 4
196 S. | 15,0 x 22,0 cm
310 g | Paperback
ISBN 978-3-933816-63-4
1. Auflage 2014 | 38,00 EUR

Die Publikation dieses Titels wurde unterstützt im Rahmen des EU-Förderprogramms Ziel3/Cíl3.
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